TEM- und GTEM-Zellen¶
TEMCell bündelt Geometrie, Verifikation, den Feldfaktor e0y,
Emissionskorrelation und Störfestigkeitsprüfung. Der aktuelle produktive
Schwerpunkt liegt auf einportigen GTEM-Zellen.
Geometrie und Referenzdaten¶
Die Geometrie gehört zur Messhistorie. Höhe und Längsposition werden über das für die konkrete Zelle festgelegte Modell miteinander verknüpft. Messungen und Referenzdaten müssen sich auf diese Geometrie beziehen.
Für spätere Messungen stehen zwei vorbereitende Wege zur Verfügung:
VerificationVermisst eine Ebene an mehreren Sondenpositionen. Sie bewertet Feldhomogenität, TEM-Moden-Dominanz, benötigte Vorwärtsleistung und AM-Headroom.
e0yVermisst den normierten Feldfaktor an einer Position. Für Emission kann alternativ das analytische
e0yder GTEM-Geometrie verwendet werden.
Die gewählte Quelle für e0y wird bei der Emissionsauswertung ausdrücklich
gespeichert. Sind mehrere geeignete Quellen vorhanden, muss die Auswahl
bewusst erfolgen.
Mehrere Uniform Areas und Verifikationsebenen¶
Eine Konfiguration kann mehrere benannte Flächen unter uniform_areas
bereitstellen. tem-verification.py und tem-immunity.py registrieren
alle Definitionen in der TEMCell-Historie. Der singuläre Schlüssel
uniform_area bleibt als rückwärtskompatibler Standard erhalten:
UNIFORM_AREAS = {
"ua_h1p0": {
"name": "ua_h1p0",
"h": 1.0,
"width": 0.5,
"height": 0.5,
"center": (0.0, 0.5),
},
"ua_h1p5": {
"name": "ua_h1p5",
"h": 1.5,
"width": 1.5,
"height": 1.0,
"center": (0.0, 0.75),
},
}
cdict = {
"uniform_areas": UNIFORM_AREAS,
# rückwärtskompatibler Standard
"uniform_area": UNIFORM_AREAS["ua_h1p5"],
}
Eine einzelne Measure_Verification-Ausführung vermisst weiterhin genau
eine Fläche. measure_parameters[i]["uniform_area"] wählt ihren Namen;
descriptions[i] benennt den zugehörigen Messdatensatz. Aufeinanderfolgende
Verifikationen erweitern dasselbe History-Pickle und speichern Geometrie,
Messpunkte, Rohdaten und Auswertung getrennt je description. Die
Flächendefinition selbst enthält keine Messwerte.
Eine spätere Störfestigkeitsmessung lädt diese Historie und zeigt die
vorhandenen Verifikationsdatensätze zur Auswahl an. Bei konfiguriertem
eut_h oder eut_z werden sie nach dem Höhenabstand zur EUT-Position
geordnet. Zwischen zwei benachbarten Ebenen kann eine Höheninterpolation
angeboten werden, sofern beide Datensätze die benötigten gemeinsamen
Frequenzen enthalten.
Die automatische Interpolation ist nur für fachlich kompatible Flächenfamilien vorgesehen. Flächen mit unterschiedlichem Mittelpunkt, unterschiedlicher lateraler Ausdehnung oder anderer Punktabdeckung dürfen nicht allein aufgrund ihrer Höhe miteinander interpoliert werden. Die aktuelle Immunity-Auswahl trifft keine automatische Entscheidung anhand der lateralen EUT-Position; solche Datensätze müssen bewusst ausgewählt werden.
Virtuelle Verifikation und e0y¶
python script/tem-verification.py \
script/conf/tem-gtem-verification-virtual/conf.py
python script/tem-e0y.py \
script/conf/tem-gtem-e0y-virtual/conf.py
Beide Abläufe unterstützen Preflight, Autosave und Fortsetzen. Die
Hardware-Templates enthalten zusätzlich eine HARDWARE_TEST.md mit einem
stufenweisen Inbetriebnahmeablauf.
Logischer Graphmodus und externe Umschaltung¶
Measure_e0y, Measure_Verification und Measure_Immunity erhalten
den logischen Messgraphmodus über den Parameter mode. Die regulären
GTEM-Skripte setzen ihn ausdrücklich auf "GTEM"; "TERM" ist der
sichere Abschluss- beziehungsweise Diagnosepfad. Eine lokale Konfiguration
kann den Wert in measure_parameters überschreiben:
"measure_parameters": [{
"dotfile": "immunity.dot",
"mode": "GTEM",
# weitere Messparameter
}]
Das Messprogramm kennt dabei weder Relaisnummern noch die Verdrahtung des Umschalters. Diese Details gehören in den Messgraphen und den dort referenzierten Gerätetreiber. Ein Umschalter wird im DOT-Knoten als Context-Controller gekennzeichnet; Conditions wählen nur die logischen Pfade:
sw [ini="sw_gtem.ini" context_controller="mode"]
gtem -> pmbwd [condition="MODE == 'GTEM'"]
term -> pmbwd [condition="MODE == 'TERM'"]
Bei jedem Context-Wechsel wird RF zuerst abgeschaltet. Der Controller plant den erwarteten vollständigen Hardwarezustand, wendet eine nötige Mode-Änderung an und liest den Zustand anschließend zurück. Ein reiner Frequenzwechsel darf den Mode nicht erneut setzen. Dadurch überschreibt er eine zwischenzeitlich extern gewählte sichere TERM-Stellung nicht.
Der Zustand wird vor einem weiteren Context-Wechsel, vor RFOn und während
Geräteleseoperationen kontrolliert. Die Kontrolle ist kein asynchroner
Hintergrund-Watchdog; sie erfolgt an diesen sicheren Programmpunkten. Weicht
der gelesene Zustand vom erwarteten Zustand ab oder ist die Rückleseantwort
unvollständig, schaltet mpylab RF aus und hält die Messung an. Der Bediener
kann abbrechen oder die geplante Stellung ausdrücklich erneut anwenden. Ein
automatisches Zurückschalten auf GTEM findet nicht statt.
Emission¶
Die Emissionsmessung nimmt Störspannungen für die vorgesehenen EUT-Orientierungen auf und korreliert sie auf eine äquivalente Freifeld- Feldstärke. Als Feldfaktor kann eine e0y-Messung, ein Verifikationsdatensatz oder die analytische GTEM-Formel dienen.
Ein virtueller Ablauf auf Basis einer e0y-Messung lautet:
python script/tem-e0y.py \
script/conf/tem-gtem-e0y-virtual/conf.py
python script/tem-emission.py \
script/conf/tem-gtem-emission-virtual/conf.py
Alternativ zeigt
tem-gtem-emission-virtual-from-verification/conf.py die Verwendung einer
vorherigen Verifikation. Ein konfiguriertes Limit aktiviert die Auswahl der
Frequenzen, die mit dem zum Limit gehörenden Detektor nachzumessen sind.
Fehlt ein geeignetes Limit, bleibt die Messung gültig; es findet lediglich
keine detektorspezifische Nachmessung statt.
Störfestigkeit¶
Die Störfestigkeitsmessung verwendet die in der Verifikation ermittelten Referenzleistungen und AM-Headroom-Ergebnisse:
python script/tem-immunity.py \
script/conf/tem-gtem-immunity-virtual/conf.py
AM-Headroom-Entscheidungen¶
Für 80 Prozent AM fährt die Verifikation das 1,8-Fache des Trägerfeldes
an und reduziert den Generator um 5,10545 dB. Die korrigierte
Vorwärtsleistung ist die normative Messgröße; ein Feldstärkeverhältnis ist
ausdrücklich ein nicht normativer Proxy. Beide Methoden propagieren vor der
Umrechnung in dB die Unsicherheit des gemessenen Verhältnisses einschließlich
gemeinsamer SCUQ-Komponenten.
Beide Methoden verwenden standardmäßig das nominale Intervall
3,10545...7,1 dB. Die obere Grenze folgt IEC 61000-4-3:2020 und wird
bewusst auch als technische Interpretation für IEC 61000-4-20:2022 verwendet,
deren ältere Formulierung Absenkungen oberhalb von 5,1 dB nicht konsistent
auflöst. Das zurückgezogene Interpretation Sheet zu IEC 61000-4-3:2006 stützt
die technische Begründung, wird jedoch nicht als aktuelle normative Referenz
dargestellt.
am_headroom_maximum_drop_db konfiguriert die obere TEMCell-Grenze und ist
auf 7.1 voreingestellt (der Parameter der allgemeinen Auswertefunktion
heißt maximum_drop_db). Die Messunsicherheit wird propagiert und
protokolliert, ändert aber standardmäßig keine der beiden Grenzen. Mit
am_headroom_allow_upper_uncertainty=True kann eine Überlappung
ausschließlich an der oberen Grenze akzeptiert werden; die nominale untere Grenze wird niemals
gelockert. am_headroom_coverage_factor legt dafür den Überdeckungsfaktor
fest. Gemeinsame Kalibrierbeiträge können sich im Verhältnis der hohen
zur reduzierten Messung aufheben, während unabhängige Typ-A-Streuung erhalten
bleibt.
Vor der Exposition prüft der Ablauf Geometrie, Frequenzabdeckung, verfügbare Feldstärken, Verstärkerschutz und die EUT-Überwachung. Manuelle Bedienerintervention bleibt auch bei zusätzlicher automatischer EUT-Überwachung verfügbar. Die gemeinsame EUT-Ereignisstruktur und Bewertungsregeln halten Störgröße, Beobachtungen und Leistungskriterium getrennt fest. Konfiguration und eigene Monitorimplementierungen beschreibt die EUT-Monitoring-Anleitung.
Reports¶
tem-report.py erzeugt aus der gesamten Pickle-Historie einen modularen
HTML-/PDF-Report mit separaten Grafiken und Tabellen. Metadaten können über
mehrere TOML-Dateien schrittweise ergänzt oder überschrieben werden.
tem-verification-report.py bleibt für einen fokussierten
Verifikationsreport verfügbar.